DIEBURG. Am Sonntag (12.) wird in Dieburg ein neuer Bür- germeister gewählt. Dann ha- ben die Wähler sprichwörtlich die Qual der Wahl, denn mit einem Schornsteinfeger, ei- nem Rechtsanwalt, einem Phy- siotherapeuten, einem Touris- musexperten und einem Ent- spannungspädagogen bewer- ben sich fünf Kandidaten um die Nachfolge von Dr. Werner Thomas. Alle gemeinsam wa- ren sie jetzt bei der Podiums- diskussion des Darmstädter Echos zu erleben – und so viel- fältig wie die Bewerber, so bunt zeigte sich auch die Fra- genvielfalt in der Dieburger Römerhalle. 

Es waren mehr als 600 Sitzplät- ze, die beim Echo-Podium ver- gangene Woche in der Römer- halle zur Verfügung standen. Dabei zeigt die Tatsache, dass manch einer nur einen Steh- platz ergatterte, das große Inter- esse, das die Dieburger an ihrer Bürgermeisterwahl am kom- menden Sonntag (12.) haben. Bei fünf Kandidaten haben die knapp 12.000 Wahlberechtig- ten dann die sprichwörtliche Qual der Wahl, wenn es heißt, einen Nachfolger für Dr. Wer- ner Thomas zu finden. Zur Mei- nungsfindung hatte sich der Weg in die Römerhalle gelohnt, denn die Besucher erlebten un- ter der Leitung der Echo-Redak- teure Thomas Bach und Rein- hard Jörs eine informative, leb- hafte und zum Teil auch amü- sante Gesprächsrunde.

Der vermeintliche Exot unter den Bewerbern, Hein Gottfried Fischer (73), hatte – ausgestat- tet mit schwarz-weißem Wahl- kampf-Shirt – den mehr als 300 Kilometer langen Weg aus sei- ner Heimatstadt Gangelt bei Aachen in die Römerhalle zu- rückgelegt. Er betonte in der Vorstellungsrunde, dass er als Zollbeamter und Entspan- nungspädagoge nicht nur lok- ker sei und mit jedem auskom- me, sondern bereits bei mehreren Bürgermeisterwahlen kandidiert habe – bislang zwar er- folglos, „aber ich bin auf den Geschmack gekommen und möchte deshalb Bürgermeister von Dieburg werden“.

Bis auf Fischer stammen alle Kandidaten aus Dieburg, sind zum Teil dort zur Schule gegan- gen und in der Stadt tief verwur- zelt. Wie etwa Bezirksschorn- steinfeger und Feuerwehr-Chef Erik Marx (51), der sich als sozial engagierten Menschen be- zeichnete und meinte: „Ich möchte Dieburg politisch vor- anbringen.“ Rechtsanwalt Frank Haus (42) beschrieb sich als bodenständig und heimat- verbunden, will gemeinsam mit den Menschen der Stadt eine Vorstellung entwickeln, wie Dieburg in 20 Jahren aussieht und erklärte: „Ich möchte die Menschen verbinden und nicht entzweien.“

Bürgermeisteramt als Passion

Als Physiotherapeut und CDU- Chef betonte Renée Exner (44), dass er seinerzeit nicht mit der Politik angefangen habe, um Bürgermeister von Dieburg zu werden, sondern: „Ich habe es als meine Passion entdeckt.“ Und Frank Disser (62), der mit einer SPD-Wahlempfehlung ins Rennen geht, sagte, dass er als Regionalmanager der Interes- sengemeinschaft Odenwald über langjährige Führungser- fahrung verfüge und formulier- te sein Motto für Dieburg: „Zu- hören und Anpacken.“ Ungewöhnlich an der diesjähri- gen Bürgermeisterwahl in Dieburg ist, dass von den fünf Kandidaten vier parteilos sind. Mit CDU-Chef Exner steht lediglich ein Bewerber zur Wahl, der eine Partei im Hintergrund hat – was er selbst als klaren Vorteil sieht: „Ich bin in den Themen, kenne die Abläufe und habe die Netz- werke, um in Dieburg weiter gu- te Politik zu machen.“ Dagegen betonten Thomas Disser, Frank Haus, Erik Marx und Hein Gott- fried Fischer, dass sie ganz be- wusst ohne Parteibindung ins Rennen um den Posten des Rat- hauschefs gehen: „Ich möchte mich ungern einem Fraktions- zwang unterwerfen und mir lie- ber echte Mehrheiten suchen“, sagte Marx, während Haus zwar an seine drei „lehrreichen“ Jah- re in der Stadtverordnetenver- sammlung erinnerte, aber als unabhängiger Kandidat die Möglichkeit sehe, flexibel das Amt des Rathauschefs zu füh- ren und Thomas Disser meinte, dass ein Bürgermeister eher Ma- nager als Politiker sei.

Nach einem munteren Frage- Antwort-Spiel um städtische Finanzen, Vereine und Kultur, Feuerwehr und Kita-Plätze so- zialen Wohnungsbau, Bäume und Parkplätze konnten aus Zeitgründen gar nicht alle Pu- blikumsfragen beantwortet werden – doch viele Besucher nutzten die Gelegenheit, nach der Diskussionsrunde in der Römerhalle zu bleiben und den Kandidaten ihre Fragen persön- lich zu stellen.

Mögliche Stichwahl am 26. März

Wie auch immer die Wahlent- scheidung der Dieburger am Sonntag ausfällt, angesichts der Vielzahl der Bewerber dürfte ein Stechen im zweiten Wahl- gang wahrscheinlich sein. Eine eventuelle Stichwahl der zwei Kandidaten, die am Sonntag die meisten Stimmen für sich verbuchen können, würde dann zwei Wochen später – am 26. März – stattfinden. Span- nend wird’s in jedem Fall, und wer ab 18 Uhr ins Dieburger Rathaus kommt, kann live erle- ben, wie die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen eintref- fen. Auch alle fünf Kandidaten wollen im Rathaus sein – und natürlich für erste Gratulatio- nen bereit stehen, betonten sie am Ende der Veranstaltung. Ein Video der Podiumsdiskussi- on ist in der Mediathek unter www.echo-online.de zu finden.