DIEBURG - Werden die Dieburger gefragt, wen sie in der Favoritenrolle fürs Bürgermeisteramt sehen, tippen die meisten auf CDU-Kandidat Renée Exner. Klar: Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, Chef der CDU-Fraktion im Parlament, seit zehn Jahren vorne aktiv und mitregierend in der Stadtpolitik, im Hauptberuf Physiotherapeut mit zwei großen Praxen in Dieburg und Zimmern. Fest im Sattel also. Und dennoch ist wohl kaum einer der fünf Bewerber in den letzten Monaten derart oft von Haus zu Haus gegangen, um sich vorzustellen und dabei auch Hinweise der Einwohner einzufangen, wo es denn brennt. Klinkenputzen.

„Angefangen mit meinen Hausbesuchen habe ich schon im November 2016 – bei mir in der Nähe, im Dieburger Osten.“ 500 Kugelschreiber, 500 Lämpchen, die man als Schlüsselanhänger nutzen kann sowie ebenso viele Flyer und Broschüren sind verteilt; Nachschub für die letzten Hausbesuche ist unterwegs. Die Bürgermeisterwahl ist auch eine Materialschlacht.

Vor seinen ersten Besuchen seien ihm viele Fragen durch den Kopf gegangen: Öffnen die Menschen überhaupt, bei denen ich klingele? Stellen sie Fragen oder wollen sie, dass ich etwas erzähle? „Nicht ein einziges Mal wurde mir die Tür vor der Nase zugeworfen und wirklich unfreundlich war auch niemand. Die meisten Menschen waren überrascht, aufgeschlossen und interessiert.“

Kuriose Erlebnisse habe es mehr als einmal gegeben: „Einmal hatte ich an einem Haus geklingelt, dessen Tür ein älterer Mann öffnete. Er musterte mich skeptisch, und gerade als ich mich vorstellen wollte („Mein Name ist Renée Exner, ich trete bei der Wahl zum Bürgermeister an …“), unterbrach mich der Mann lächelnd: „Wir sind informiert“. Ich stutzte. Der Mann ergänzte: „Wir haben das im Fernsehen gesehen, diese Sache mit den Enkeltricks und so. Wir lassen keine Fremden rein, da müssen Sie sich woanders umsehen.“ Exner war kurz baff, erklärte dann aber trotzdem, wer er sei und worum es gehe. Inzwischen war auch die Ehefrau an die Tür gekommen. „Ach, der Herr Exner“, rief sie, als sie mich sah. „Ich hab schon gehört, dass Sie die Leut’ besuchen – kommen Sie rein.“ Ein weiteres Mal, dieses Mal im Westen, öffnet eine Dame mittleren Alters. „Das ging ja schnell“, rief sie und lachte. „Ich hab doch eben erst angerufen und einen Termin gemacht, und jetzt kommen Sie sogar persönlich?“ Exner erklärte der Dame, wer er sei. „Jaja, ich weiß, der Renée Exner“, sagte die Frau. „Ich hab doch vorhin angerufen, weil ich mir irgendwas verrenkt habe.“ Beide lachten, als der eigentliche Grund für den Hausbesuch klar wurde. „Na, dann kommen Sie mal rein, ich habe ein paar Fragen“, sagte die nette Dame. Und weil er schon da war, habe er sich gleich noch um die „Verrenkung“ gekümmert.

Auch zahlreiche Haustiere kennengelernt

Neben vielen netten Menschen habe er auch zahlreiche Haustiere kennengelernt: große und kleine, glatthaarige und struppige, zutrauliche und schüchterne Hunde und Katzen mit langem oder kurzem Fell. „Ich stand in Küchen und Wohnzimmern, zwischen ausgepackten Urlaubskoffern oder mit Malerfolie abgeklebten Türen.“

Einige der Hinweise aus den vielen Gesprächen sind in eine 16 Seiten starke eigene Zeitung eingeflossen, die der CDU-Bewerber mit Helfern über sich und seine Ziele einer Ortszeitung beilegen ließ. Keine Frage: Dieburgs Bürgermeisterkandidaten lassen sich viel einfallen und scheuen kaum Mühen – alles für die Wahl am 12. März.